Günstige Angebote

Der Wunsch von Patientinnen und Patienten, bei Zahnersatzbehandlungen Kosten zu sparen, ist nur allzu verständlich. Dennoch sollte dabei nicht vergessen werden, dass auch eine Zahnersatzbehandlung ein medizinischer Eingriff und damit eine Dienstleistung in einem besonders sensiblen Bereich ist. Entsprechende Behandlungsangebote sollten deshalb nie alleine nur nach dem Preis beurteilt werden. Auch auf etwaige gesundheitliche Risiken oder versteckte Kosten sollten Patienten achten. Denn wirklich „günstig“ ist ein Angebot erst dann, wenn es zu einem angemessenen Preis auch eine hohe Beratungs- und Behandlungsqualität sowie Risikofreiheit bietet.

Auktionsportale

Im Internet sind mittlerweile Auktionsplattformen entstanden, auf denen Patienten die Daten aus ihrem Heil- und Kostenplan eingeben können, dann Kostenangebote für Ihre Zahnersatzbehandlung erhalten und sich schließlich für einen Anbieter entscheiden. So praktisch dieses Vorgehen für den Patienten zunächst auch sein mag, sollten dabei doch auch einige wichtige Aspekte bedacht werden.

Zahnärztinnen und Zahnärzte geben bei den genannten Portalen Therapieempfehlungen und Kostenangebote ab, ohne den Patienten zuvor gesprochen und untersucht zu haben. Sie kennen also zunächst weder seine genaue gesundheitliche Situation noch seine Erwartungshaltung an die Behandlung. Ein solches erstes Angebot kann daher nie verlässlich und ausreichend medizinisch begründet sein. Unter Umständen muss es bei einer später erfolgenden Untersuchung revidiert werden.

Zudem kann es ein Problem sein, dass der Heil- und Kostenplan, dessen Inhalte  der Patient auf das Portal überträgt, nicht unbedingt alle für eine Behandlung relevanten Daten enthält. Das wiederum kann dazu führen, dass Angebote oft nur scheinbar vergleichbar sind, da sie sich in wichtigen Details unterscheiden - zum Beispiel in der Wahl der Metalllegierung bei einer Brückenversorgung. Solche "kleinen" Unterschiede können erhebliche Kostenabweichungen mit sich bringen. Natürlich können  erhebliche Preisdifferenzen auch bei Angeboten entstehen, die in der Substanz tatsächlich vergleichbar sind. Das kann vor allem dann der Fall sein, wenn bei einigen Angeboten durch die Verwendung von Auslandszahnersatz geringere Material- und Laborkosten anfallen.

Patienten haben bei einer Zahnersatzbehandlung den berechtigten Wunsch nach neutraler Beratung, nach Kosten- und Leistungstransparenz. Leider können Auktionsportale diesen Anspruch  bestenfalls im Ansatz erfüllen, und die voraussichtliche Qualität einer angebotenen Behandlung ist für Patienten in der Regel nur schwer einzuschätzen.

Zahnersatz aus dem Ausland

Die Kosten einer durchschnittlichen Zahnersatzbehandlung entstehen zu 60 bis 70 Prozent durch Material- und Laborkosten, also durch die Kosten für die Herstellung des Zahnersatzes. Nur etwa 30 bis 40 Prozent sind in der Regel zahnärztliches Honorar. Diesen Umstand machen sich mittlerweile einige Anbieter zunutze. Sie lassen Kronen, Brücken und Prothesen im Ausland anfertigen. Da Material- und Lohnkosten dort erheblich niedriger sind als in Deutschland, sparen sie Kosten ein. Oft wird dabei mit dem Lockangebot geworben, eine Zahnersatzbehandlung sei ohne private Zuzahlung möglich. Doch einlösen lässt sich dieses Versprechen meist nur, wenn der Patient sich auf die Regelversorgung, also die Standardbehandlung beim jeweiligen Befund, beschränkt und zusätzlich ein Bonusheft geführt hat, das den Zuschuss seiner Krankenkasse erhöht. Bei allen Behandlungen, die über die Regelversorgung hinausgehen, muss der Patient allerdings in der Regel auch bei einem günstigen Anbieter einen Eigenanteil leisten.

Wird  Zahnersatz aus dem Ausland bezogen, sollte auf jeden Fall zuvor die Qualitätsfrage geklärt sein. Ausländischer Zahnersatz muss nicht schlechter sein als Zahnersatz, der in Deutschland gefertigt wurde. Allerdings sollte zweifelsfrei sichergestellt sein, dass Zahnersatz aus dem Ausland deutschen Qualitätsnormen entspricht. Dazu zählen zum Beispiel die Vorschriften des Medizinproduktegesetzes.

Auch wenn vor allem Discounter oder Kettenpraxen auf Auslandszahnersatz setzen, kann grundsätzlich jeder niedergelassene Zahnarzt qualitätsgesicherten Zahnersatz aus dem Ausland beziehen, um günstige Angebote für Standardtherapien zu ermöglichen. Allerdings kann es gerade bei aufwendigen Fällen und Versorgungen, die höchsten ästhetischen Ansprüchen genügen sollen, für Patient und Zahnarzt sehr sinnvoll sein, ein zahntechnisches Labor in unmittelbarer Nähe der Praxis zu nutzen. Patienten, die aus Kostengründen eine Versorgung mit Auslandszahnersatz in Betracht ziehen, sollten mit ihrem Zahnarzt offen über diese Möglichkeit sprechen, bevor sie zu einem Discounter wechseln.

Zahnersatz­behandlungen im Ausland

In den vergangenen Jahren haben Angebote zugenommen, in denen ausländische Anbieter für Zahnersatzbehandlungen im Rahmen von Urlaubsreisen werben. Tatsächlich können sich gesetzlich Krankenversicherte auch von Zahnärztinnen und Zahnärzten innerhalb der Europäischen Union behandeln lassen. Die Krankenkasse übernimmt in diesen Fällen die Kosten, die sie auch bei einer Behandlung in Deutschland übernehmen würde, beim Zahnersatz also je nach Befund die entsprechenden Festzuschüsse. Den Eigenanteil und alle weiteren mit der Reise verbundenen Kosten muss der Patient selbst bezahlen.

Unter medizinischen Gesichtspunkten sollte eine Zahnbehandlung nach Möglichkeit immer wohnortnah durchgeführt werden. Wenn der Zahnarzt in der Nähe ist, können etwaige Vor- und Nachbehandlungen mit der gebotenen Sorgfalt und ohne Zeitnot durchgeführt werden. Er steht dann auch bei Komplikationen oder in Notfällen sofort zur Verfügung. Wer aus Kostengründen dennoch eine Behandlung im Ausland plant, sollte sich vergewissern, dass eine hochwertige Qualität der zahnmedizinischen und zahntechnischen Arbeit gesichert ist. Gute Leistungen sind auch in osteuropäischen Ländern möglich, aber nicht immer selbstverständlich. Besonders bei günstigen Angeboten sollten alle möglichen Kostenfaktoren berücksichtigt werden. Wird aufgrund von Komplikationen eine Nachbehandlung erforderlich, für die eine  erneute Anreise notwendig ist, kann der zunächst erhoffte Kostenvorteil schnell dahin sein.

Für Zahnersatzbehandlungen im Ausland gelten die Gewährleistungsregeln des jeweiligen Landes. Dies kann für Patienten zu Problemen führen, wenn sich bei der Versorgung nachträglich Mängel herausstellen. Kein Zahnarzt in Deutschland ist verpflichtet, fremden Zahnersatz kostenfrei zu korrigieren oder nachzubessern. Patienten bleibt dann nur die Möglichkeit, entweder für eine Nachbehandlung in Deutschland weitere Kosten in Kauf zu nehmen, oder zu versuchen, im Ausland die Gewährleistungsansprüche vor Ort durchzusetzen.